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Preisarchitektur in der Hotellerie strategisch neu denken

Die Nachfrage erholt sich, die Hotels in NRW verzeichnen sogar Rekordübernachtungen – und doch steigt der Druck auf die Erträge. Steigende Kosten und gemischte Auslastung zwingen Hoteliers, ihre Preisstrategie professioneller und differenzierter aufzustellen. In diesem Blogartikel erfahren Sie, warum starre Raten 2024/25 nicht mehr ausreichen und wie Sie mit einer modernen Preisarchitektur Auslastung und Nebenerlöse messbar steigern können.

Zwischen Nachfrage-Boom und Kostendruck: Warum jetzt die Preise neu gedacht werden müssen

2024 war für viele Hotels ein Jahr der Extreme. Einerseits stieg die Nachfrage kräftig, andererseits bleiben die Umsätze hinter den Erwartungen zurück, weil Inflation und steigende Betriebs- und Personalkosten die Margen auffressen. Mit anderen Worten: Volle Häuser allein sichern noch keine gesunden Gewinne. Die aktuelle Marktlage mit gemischter Nachfrageentwicklung und hohen Kosten erfordert eine intelligente Preisstrategie.

Viele Hoteliers spüren bereits, dass sie an der Preisschraube drehen müssen. Laut Branchenanalysen werden 2025 in 18 von 31 europäischen Märkten weitere Preissteigerungen erwartet – trotz gebremstem Nachfragewachstum. Dieses „Pricing-Power“-Phänomen zeigt: Hotels setzen zunehmend auf geschicktes Revenue Management, um ihre Erträge zu verbessern. Genau hier kommt die Preisarchitektur ins Spiel: Sie bestimmt, wie Sie Ihre Preise strukturieren, differenzieren und laufend anpassen, um jeden Nachfrageimpuls optimal auszuschöpfen.

Was bedeutet „Preisarchitektur“ in der Hotellerie?

Unter Preisarchitektur verstehen wir den strategischen Aufbau Ihres gesamten Preis- und Ratengefüges. Anstatt einfach einen Einheitspreis oder ein starres Saisonmodell zu fahren, gestalten Sie ein dynamisches System aus Basispreisen, abgeleiteten Raten und Buchungsregeln. Dieses System reagiert flexibel auf unterschiedliche Gäste-Segmente, Buchungszeiträume, Aufenthaltsdauern, Wochentage und Events.

Stellen Sie sich Ihre Preisarchitektur wie ein Instrumenten-Panel vor, an dem Sie verschiedene Hebel bedienen können. Im Zusammenspiel ermöglichen diese Elemente, für jeden Gast zur richtigen Zeit den optimalen Preis abzurufen – und zwar so, dass einerseits kein Geld “auf der Straße liegen bleibt” (weil Sie zu billig verkauft haben) und andererseits Ihre Angebote attraktiv bleiben und Auslastung generieren.

Wichtig ist: Eine professionelle Preisarchitektur ist sowohl strategisch durchdacht als auch praxisnah. Strategisch heißt, Sie legen im Voraus Regeln und Rahmen fest (z.B. welche Raten es gibt, welche Mindestpreise gelten). Praxisnah heißt, Sie beobachten den Markt und passen Ihre Preise aktiv an. Schauen wir uns die zentralen Stellschrauben und wie Sie sie nutzen können, im Detail an.

Die Stellschrauben einer modernen Preisstrategie

BAR-Leitplanken definieren – das Fundament:

Die Best Available Rate (BAR) ist Ihre flexible Standardrate, quasi der Dreh- und Angelpunkt aller anderen Preise. Legen Sie für diese BAR klare Leitplanken fest: einen untersten Preis, unter den Sie selbst in schwachen Zeiten nicht gehen (um rentabel zu bleiben), und einen obersten Preis, den Sie in Spitzenzeiten maximal abrufen. Solche Leitplanken geben Orientierung. Sie verhindern Panik-Rabatte nach unten und unrealistische Mondpreise nach oben. Beispiel: Sie kalkulieren, dass Sie unter 80 € pro Nacht keinen Gewinn machen – das wird Ihre BAR-Untergrenze. Nach oben schauen Sie sich Markt und Sterne-Kategorie an: Vielleicht erscheinen Ihnen ~150 € als Obergrenze für Ihr 3-Sterne-Haus angemessen. Diese Range von z.B. 80–150 € bildet die Spielfläche, in der Sie sich mit Ihren tagesaktuellen BAR-Preisen bewegen können.

Um innerhalb dieser Leitplanken zu steuern, helfen Preis-Matrizen oder sogenannte Rate-Value-Matrizen. Sie stellen sicher, dass Ihr Umsatz maximiert wird und Ihre verschiedenen Zimmerkategorien sauber aufeinander abgestimmt sind. Alle anderen Raten (Derived Rates) werden an der BAR aufgehängt – zum Beispiel Nicht-stornierbare Raten mit Abschlag oder Pakete mit Aufpreis. Die Kunst ist, diese Preis-Hierarchie konsequent einzuhalten, damit kein Kanal und kein Segment günstiger verkauft wird als nötig.

2. Rate Fences & Buchungsbedingungen – gezielt segmentieren:

Rate Fences sind die “Zäune” oder Bedingungen, mit denen Sie Raten voneinander abgrenzen. Dahinter steckt das Prinzip: Nicht jeder Gast bekommt jeden Preis. Nur wer bestimmte Bedingungen erfüllt, erhält eine ermäßigte Rate. Damit schützen Sie höhere Raten vor Kannibalisierung durch billigere Angebote. Praktische Beispiele: Eine nicht stornierbare Rate (NRF) ist typischerweise 10–15% günstiger als BAR – der “Fence” ist hier die fehlende Stornomöglichkeit (der Gast zahlt im Voraus und trägt das Risiko). Oder Sie geben einen Frühbucher-Rabatt nur für Buchungen, die z.B. 30 Tage im Voraus erfolgen (Bedingung: X Tage Vorlauf). Andere Fences können sein: spezielle Raten nur für Club-Mitglieder oder Newsletter-Abonnenten, vergünstigte Firmenraten für definierte Firmenkunden, oder opaque rates, die nur in Paket-Reisen oder via anonymisierten OTAs erscheinen. All diese Fences erlauben Ihnen, unterschiedliche Kundensegmente separat anzusprechen, ohne dass der Normalbucher verwirrt wird oder sich unfair behandelt fühlt.

Rate Fences erhöhen somit die Preisdifferenzierung, ohne Ihr Preisimage zu beschädigen. Wichtig ist, die Regeln klar zu kommunizieren: Der Gast versteht, warum er einen besseren Preis bekommt (weil er z.B. vorauszahlt oder drei Nächte bleibt). So vermeiden Sie Unmut bei anderen Gästen, die den vollen Preis zahlen – jeder sieht: Leistung und Kondition unterscheiden sich, daher unterschiedlicher Preis. In der Praxis setzen viele unabhängige Hotels solche Fences noch kaum ein. Dabei ließe sich z.B. mit einer attraktiven Direktbucher-Rate (Fence: nur auf eigener Website buchbar, vielleicht als “Members Only” Tarif) der Anteil an Direktbuchungen erhöhen, ohne gegen Rate Parity-Vorgaben der OTAs zu verstoßen. Überlegen Sie also, welche 2–3 neuen Raten Sie einführen können, um verschiedene Kundengruppen gezielt abzuholen.

3. Mindestaufenthalte (MLOS) clever nutzen:

Minimum Length of Stay ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits kann ein Mindestaufenthalt von z.B. 2 Nächten am Wochenende Ihnen helfen, die Auslastung auf zusammenhängende Tage zu konzentrieren und Upselling zu betreiben. So vermeiden Sie, dass eine einzelne Samstagsbuchung den wichtigen Freitag- oder Sonntagumsatz blockiert. Viele Ferienhotels machen das: Am Ferien-Wochenende gibt es keine 1-Nacht-Buchungen, nur Gäste mit zwei oder mehr Nächten werden angenommen. Dadurch erhöhen sich durchschnittliche Aufenthaltsdauer und Umsatz pro Gast. Aber Vorsicht: Wenn die Nachfrage nicht wirklich stark ist, kann ein MLOS auch nach hinten losgehen. In der Praxis erlebt: Hotels setzen einen 2-Nächte-MLOS, aber es gibt gar nicht genug Anfragen für beide Nächte – Ergebnis: Für Gäste, die eigentlich 1 Nacht buchen wollten, sind Sie unsichtbar, Ihre Zimmer bleiben leer und Umsatz geht verloren.

Die goldene Regel: MLOS nur dort einsetzen, wo Sie sich sicher sind, dass Sie sonst ausgebucht wären. Zum Beispiel bei Messeperioden, Groß-Events oder Feiertagswochenenden mit traditionell hoher Nachfrage. Alternativ können Sie anstelle harter Restriktionen mit weichen Anreizen arbeiten: Belohnen Sie längere Aufenthalte durch einen kleinen Preisnachlass oder Zusatzleistungen (z.B. Stay 3 nights, pay 2 oder gratis Spa-Zugang ab 2 Nächten). Damit steuern Sie die Nachfrage in die gewünschte Richtung, ohne Buchungen strikt abzulehnen. Ein Praxis-Tipp von Revenue-Managern lautet: “Be always bookable” – seien Sie grundsätzlich buchbar, solange Sie freie Zimmer haben, aber nicht zu jedem Preis. Lieber dynamisch anpassen (dazu gleich mehr) als vorschnell Closed for Arrival/Departure zu machen. Zusammengefasst: MLOS und ähnliche Restriktionen können mächtig sein, müssen aber sorgfältig und sparsam eingesetzt werden.

4. Wochenend- und Event-Pricing:

Nachfrage-Spitzen nutzen – und Täler füllen: Ein häufig unterschätzter Hebel ist die Tagessteuerung nach Wochentagen und Events. Viele Häuser kalkulieren leider immer noch nach dem Gießkannenprinzip: gleicher Preis unter der Woche wie am Wochenende, oder sie halten an überholten Saisonzeiten fest, die mit der echten Nachfrage wenig zu tun haben. Fragen Sie sich: Haben wir klare Muster zwischen Wochentagen? Wenn ja, spiegeln Sie das in Ihren Preisen! Typisches Beispiel: Ein Stadthotel mit Business-Fokus ist Mo–Do sehr gut belegt, während am Wochenende die Auslastung abrutscht. Hier sollte die Wochenendrate niedriger oder mit Specials angereichert sein, um Freizeitreisende anzulocken (z.B. Freitag bis Sonntag 15% günstiger oder inklusive Frühstück/Spa). Umgekehrt bei Ferienhotels oder Resorts: Da sind Wochenenden oft die Peak-Tage – es wäre verschenktes Potenzial, freitags und samstags nicht Aufschläge zu nehmen. Eine klare Wochenendstruktur – etwa höhere Preise am Samstag, etwas günstigere am Sonntag – gehört zu einer differenzierten Preisarchitektur dazu.

Noch wichtiger: Event-Preise. Ob Messen, Konzerte, Stadtfeste oder Schulferien – spezielle Nachfrageschübe müssen sich in Ihren Raten widerspiegeln. Hier trennt sich sprichwörtlich die Spreu vom Weizen: Kettenhotels und Profi-Revenue-Manager planen ihre Eventpreise monatelang im Voraus und erzielen dadurch Spitzen-ADR. Beispiel Berlin: Zum Marathon-Wochenende im September schnellen die Hotelpreise regelrecht in die Höhe – am Marathon-Samstag lag der Durchschnittspreis rund 111 % über einem normalen September-Wochenende. Gut geführte Hotels setzten an solchen Tagen höhere BARs und oft Mindestaufenthalte, um das Maximum aus der Stadt zu holen. Auffällig ist: Unabhängige Hotels sind hier oft zögerlicher und verschenken Geld. Daten einer Marktanalyse zeigen, dass Berliner Kettenhotels zum Marathon sonntags im Schnitt ~287 € verlangten, während unabhängige Häuser früh wieder auf 247 € runtergingen – über 40 € weniger pro Zimmer. Viele Indies hatten sich durch zu niedrige Frühbucherpreise und fehlende LOS-Beschränkungen schon mit 1-Nacht-Buchungen gefüllt, anstatt die hohe Nachfrage für längere Aufenthalte zu nutzen. Die Lektion: Trauen Sie sich, zu Events Premiumpreise anzusetzen! Wenn die ganze Stadt voll ist, erzielen Hotels problemlos das Doppelte oder Dreifache des üblichen ADR. Wichtig ist nur, dass Sie diese Eventzeiträume kennen und rechtzeitig in Ihren Systemen hinterlegen – sei es über manuelle Preisänderungen im Channel Manager oder automatisiert via Yield-Regeln. Und vergessen Sie nicht, rechtzeitig Kontingente zu begrenzen: Bei Top-Events wollen Sie nicht alle Zimmer ein Jahr im Voraus billig verkaufen. Hier zahlt es sich aus, einen Teil der Verfügbarkeit zunächst zu sperren oder sehr hoch zu bepreisen und dann näher zum Termin (wenn das Ausmaß der Nachfrage klar ist) freizugeben.

5. Dynamic Pricing: laufend anpassen statt einmal festzurren:

All die oben genannten Stellhebel funktionieren am besten in Kombination mit einem dynamischen Pricing-Ansatz. Dynamic Pricing bedeutet, dass Sie Ihre Preise kontinuierlich der Nachfrage anpassen – idealerweise in (nahezu) Echtzeit. Natürlich hat nicht jeder ein teures Revenue-Management-System im Hintergrund laufen. Aber auch manuell können Sie dynamisch agieren: Beobachten Sie täglich Ihre Pickup-Zahlen, die Buchungslage der kommenden Wochen und die Konkurrenzraten. Justieren Sie Ihre Preise nach oben, wenn die Buchungen stärker reinkommen als erwartet. Viele Hotels planen heute Preis-Updates in definierten Intervallen, z.B. 90, 60, 30 und 7 Tage vor Anreise. So vermeiden Sie, in der letzten Woche mit massiven Rabatten reagieren zu müssen, weil Sie vorher gepennt haben.

Ein häufiges Muster bei weniger erfahrenen Hotels: Sie starten viel zu günstig, füllen sich früh mit Billig-Buchungen und haben dann zum Peak-Termin kein Zimmer mehr frei, das sie teuer verkaufen könnten. Merken Sie sich also: High demand – high price! Starten Sie mutig; wenn zwei Wochen vorher noch Zimmer übrig sind, können Sie immer noch einen Rabatt oder ein Last-Minute-Angebot rausgeben. Dynamic Pricing heißt auch, Entscheidungen auf Basis von Daten zu treffen: Schauen Sie sich Kennzahlen an wie Ihre Booking Pace (Buchungstempo) oder den Pickup der letzten 7 Tage für einen bestimmten Zeitraum. Erkennen Sie Trends (z.B. “Oh, das nächste Wochenende zieht plötzlich an, weil tolles Wetter gemeldet ist”), dann reagieren Sie sofort und ändern die Preise, setzen ggf. einen 2-Nächte-MLOS oder schließen die günstigste Rate. Moderne Channel-Manager oder PMS bieten oft automatisierte Funktionen, z.B. einen Rules Engine, mit der Sie sagen können: “Wenn Auslastung >80% und mehr als 14 Tage im Voraus, erhöhe Preis um 10 €” usw. Nutzen Sie solche Tools, sofern verfügbar. Wenn nicht: Disziplinierter Kalenderblick tut’s auch.

Zusammengefasst: Eine strategisch geführte Preisarchitektur nutzt alle diese Stellschrauben in Kombination. Sie legen feste Leitplanken und Regeln fest, segmentieren Ihre Ratenlandschaft, planen Sonderpreise für besondere Tage – und Sie bleiben flexibel, um auf Veränderungen schnell zu reagieren. So holen Sie das Optimum aus Markt und Gast heraus.

Wie wirkungsvoll eine überarbeitete Preisarchitektur sein kann, zeigt ein konkreter Blick in die Praxis. Christian Lüdeking – selbst Hotelier und Berater: „Eine kluge Preisarchitektur ist kein Zufall, sondern Ergebnis bewusster Planung. Wenn Sie Ihre Hausaufgaben machen, dankt es Ihnen Ihr Betrieb mit besseren Zahlen und Ihre Gäste mit höherer Zufriedenheit – weil sie das Gefühl haben, genau das Angebot zu bekommen, das zu ihnen passt.” Strategisches Pricing ist kein theoretisches Konstrukt, sondern kann den Unterschied zwischen Mittelmaß und Top-Performance ausmachen.

Typische Schwachstellen: Wo Hotels Potenzial verschenken

Bevor wir zum Schluss zu den konkreten Tipps kommen, ein kurzer Realitätscheck: Welche Fehler begegnen uns in der Praxis immer wieder, wenn es um Preisgestaltung geht? Hier einige typische Schwachstellen, die Sie vielleicht aus dem eigenen Haus kennen – und die es abzustellen gilt:

  • Starre Einheitspreise: Das wohl häufigste Manko. Viele Hotels fahren monatelang den gleichen Preis, egal ob Hoch- oder Nebensaison, ob Dienstag oder Samstag. Dieses “Gießkannen-Pricing” wird der realen Nachfrage nicht gerecht. Ergebnis: In der Hochsaison zu billig verkauft, in der Flaute zu teuer angeboten – beides kostet Umsatz.
  • Keine Wochenend-Logik: Wer von Montag bis Sonntag den identischen Preis verlangt, ignoriert die unterschiedlichen Gästetypen. Geschäftsreise-Hotels lassen so am Wochenende Zimmer leer stehen, weil keine Freizeitgäste kommen (zu teuer, zu unattraktiv); Ferienhotels verpassen umgekehrt den Aufschlag bei Samstaganreisen. Ein fehlendes Wochenend-Konzept – ob Aufschläge oder Abschläge, je nach Haus – ist verschenktes Potenzial.
  • Events und Peaks werden übersehen: Immer noch erleben wir Hotels, die von Großveranstaltungen “überrascht” werden. Beispiel: In der Stadt findet eine Messe oder ein Festival statt, alle Mitbewerber sind ausgebucht und verlangen das Doppelte – aber das eigene Hotel hat die normale Rate stehen lassen, weil niemand den Eventkalender im Blick hatte. Solche Fehler tun weh. Ebenso fatal: Gruppen oder Kontingente über starken Events zum Dumpingpreis lange im Voraus zugesagt zu haben (dann blockieren sie die Zimmer und zahlen viel weniger als spontane Eventgäste gezahlt hätten).
  • Falsche Paketierung: Pauschalangebote können toll sein – oder ein Rohrkrepierer. “Falsch” geschnürte Pakete erkennen Sie daran, dass entweder kein Mensch sie bucht oder dass sie Ihnen sogar Ertrag klauen. Einige Häuser rechnen ihre Arrangements nicht sauber nach und legen zu viele Extras zu günstig hinein. Dann bucht der Gast lieber das Schnäppchen-Paket als die reguläre Rate und Sie verdienen unterm Strich weniger, obwohl Sie mehr Leistung erbringen. Andere Pakete scheitern daran, dass sie nicht attraktiv genug sind (z.B. veraltete Inhalte, uninteressante Ersparnis) – dann stehen sie nutzlos im System. Hier ist regelmäßige Überprüfung Pflicht: Welche Packages laufen gut, welche nicht? Welche Marge bleibt hängen? Optimieren oder abschaffen, je nach Ergebnis.
  • Kein technisches Setup: Ein oft unterschätzter Punkt ist die Systemlandschaft. Wenn PMS oder Channel-Manager gewisse Steuerungen nicht unterstützen (z.B. kein MinLOS einstellen können, oder keine unterschiedlichen Preise pro Tag), dann bleibt eine ambitionierte Preisstrategie Theorie. Ähnlich schlimm: Man hätte die Technik, nutzt sie aber nicht. Beispielsweise pflegen manche Hotels zwar zig Raten im System, aktualisieren aber immer nur die Haupt-2 Raten – die restlichen “dümpeln” unverändert vor sich hin. Das führt dann zu Inkonsistenzen und verwirrenden Preisen online. Kurz: Ohne saubere, aktuelle Systeme und Datenqualität schießen Sie sich ins eigene Bein.

Kennen Sie eine oder mehrere dieser Schwächen aus Ihrem Hotel? Seien Sie ehrlich – die meisten unabhängigen Häuser könnten hier mindestens einen Haken machen. Aber das Gute ist: Sie können all das abstellen. Im letzten Abschnitt erhalten Sie einen Leitfaden, wie Sie den Einstieg in eine strategische Preisarchitektur meistern.

Erste Schritte: So entwickeln Sie Ihre Preisarchitektur

Sie sind überzeugt, dass Ihre Preisstrategie ein Update braucht? Prima – dann fragen Sie sich sicher, wo fange ich an? Hier ein kompakter Fahrplan für den Einstieg:

Schritt 1: Bestandsaufnahme & Ziele setzen.

Verschaffen Sie sich einen Überblick, welche Raten und Preise aktuell in Ihrem System sind. Welche Segmente bedienen Sie (z.B. Individualreisende, Firmen, Gruppen, OTA-Gäste, Direktbucher)? Definieren Sie klare Preissegmente: z.B. BAR flexibel, Nicht-stornierbar, Firmenrate, Wochenend-Special, Arrangement X usw. Überlegen Sie auch, welche Ziel-ADR und Auslastung Sie anstreben – gesamt und in wichtigen Teilmärkten. Diese Ziele geben die Richtung vor.

Schritt 2: Daten und Benchmarks sammeln.

Schauen Sie sich interne und externe Kennzahlen an. Intern: Wie war Ihre ADR und Auslastung in den letzten 12 Monaten pro Wochentag? Wo gab es Überbuchung, wo Leerstand? Extern: Wie stehen Sie im Vergleich zum Markt da? Branchenreports (z.B. STR, IHA) oder Wettbewerbsanalysen helfen. Vielleicht erfahren Sie, dass der Durchschnitts-ADR in Ihrer Region um 5% gestiegen ist, Ihrer aber stagnierte – ein klares Zeichen, dass Preisluft nach oben besteht. Nutzen Sie auch Online-Tools: z.B. Rate Shopper, um die Preise der Konkurrenz über die nächsten 90 Tage zu checken. All das zeigt Ihnen, wo Sie ansetzen sollten (etwa: sonntags extrem schwach -> hier muss was passieren; Oktober viel Nachfrage, aber Sie waren billig -> Preiserhöhungspotenzial).

Schritt 3: Leitplanken und Palette festlegen.

Basierend auf den Erkenntnissen definieren Sie nun Ihre BAR-Leitplanken (min/max). Dann legen Sie fest, welche Ratenprodukte Sie künftig haben wollen. Tipp: Weniger ist mehr – lieber 4–6 sauber differenzierte Raten als 15 Mischmasch-Tarife. Beispiel-Setup:

  • BAR (Standard flexibel)
  • NRF (Frühbucher/Nicht-storno, -10%)
  • Direktbucher-Vorteilsrate (z.B. -5% oder mit Benefit, nur auf eigener Website)
  • Firmenrate (unter der Hand für lokale Firmen, Mo–Do gültig)
  • Wochenendrate (Freitag/Samstag mit Mindestaufenthalt 2 Nächte, etwas höherer Preis durch Mehrwert)
  • Eventrate (für definierte Messezeiten, hoher Aufschlag, evtl. MinLOS)

Schritt 4: Systeme technisch vorbereiten.

Jetzt geht’s ans Eingemachte: Richten Sie diese Raten in Ihrem PMS/Channel-Manager ein. Stellen Sie sicher, dass alle benötigten Restriktionen (MinLOS, geschlossene Anreisen, etc.) technisch abbildbar sind. Falls nicht, suchen Sie nach Workarounds oder sprechen Sie mit Ihrem Anbieter. Achten Sie auch darauf, Verknüpfungen zu nutzen: Viele Systeme erlauben es, Raten an die BAR zu koppeln (als Prozent oder Betrag). Das erleichtert die Pflege enorm, weil Sie dann nur die BAR ändern müssen und alle abhängigen Raten ziehen mit. Prüfen Sie die Kanalsteuerung: Welche Raten sollen auf welchen Vertriebskanälen angeboten werden? (Beispiel: Die Direktbucher-Rate nur auf eigener Website, nicht bei OTAs). Säubern Sie dabei gleich Ihren „Raten-Dschungel“: Alte, inaktive oder redundante Raten rauswerfen, damit nichts mehr vergessen geht.

Schritt 5: Preise initial kalkulieren.

Nun spielen Sie „Produktmanager“: Kalkulieren Sie für jede Rate und Saison (bzw. Wochentagsgruppe) einen sinnvollen Startpreis. Hier helfen Ihnen die Daten aus Schritt 2. Legen Sie ruhig Tabellen an: z.B. eine Matrix mit Wochentagen vs. Saisonmonaten und tragen Sie Ihre geplanten BAR-Preise ein. Daraus ableiten: die anderen Raten gemäß der Abschläge/Aufschläge. Überprüfen Sie stichprobenartig, ob das Ergebnis logisch wirkt (Check: Sind die Preisabstände konsistent? Passt das Pricing zu unserem Positioning? Erscheinen die Preise wettbewerbsfähig?). Tipp: Rechnen Sie mit einem einfachen Excel-Tool verschiedene Auslastungsszenarien durch – was wäre der Monatsumsatz, wenn Sie im Juli mit 90 € Durchschnittsrate bei 80% Belegung fahren vs. 100 € Rate bei 70% Belegung? Solche Spielrechnungen schärfen das Verständnis für die Effekte.

Schritt 6: Team einbinden & kommunizieren.

Bevor Sie live gehen, informieren Sie alle relevanten Mitarbeiter über die neue Preisarchitektur. Erläutern Sie die Gründe für die Änderungen („Kosten gestiegen, Markt hat sich verändert, wir haben Potenzial entdeckt…“) und stellen Sie die neuen Raten und Regeln vor. Jeder im Team – vom Empfang bis Sales – sollte wissen, welche Raten es gibt und welche Bedingungen gelten. Gerade das Reservierungsteam muss hinter der Strategie stehen und z.B. nicht reflexartig Rabatte geben, die Ihre schöne Struktur unterlaufen.

Schaffen Sie Verständnis: dynamic pricing und neue Regeln sind kein Selbstzweck, sondern helfen allen im Hotel am Ende (bessere Auslastung = sicherere Jobs, höhere Erlöse = mehr Puffer für Gehalt und Investitionen etc.).

Schritt 7: Umsetzung und laufende Justierung.

Jetzt schalten Sie um: Stellen Sie die neuen Preise und Raten online, beobachten Sie genau die Resonanz. In den ersten Wochen heißt es testen und feinjustieren. Vielleicht merken Sie, dass eine bestimmte Rate kaum gebucht wird – dann optimieren Sie deren Inhalt oder Preis. Oder Sie sehen, dass an Samstagen trotz höherer Preise die Auslastung stabil bleibt – super, vielleicht können Sie noch einen Tick höher gehen künftig. Messen Sie die Ergebnisse? Richten Sie sich regelmäßige Reports ein: z.B. wöchentlicher Pickup-Report, monatlicher KPI-Vergleich (Auslastung, ADR, RevPAR vs. Vorjahr). So erkennen Sie den Impact Ihrer Maßnahmen. Und haben Sie Geduld: Manches braucht ein paar Zyklen, bis es greift (Gäste und Buchungspartner müssen sich an neue Muster gewöhnen).

Schritt 8: Externe Unterstützung nutzen.

Wenn das alles nach viel Arbeit klingt – das ist es auch. Sie müssen es aber nicht allein schaffen. Es gibt spezialisierte Berater so wie Christian Lüdeking oder Tools, die Sie begleiten. Ob ein Revenue Management System zur automatischen Preisoptimierung oder ein Workshop mit einem Pricing-Experten – zögern Sie nicht, sich Input zu holen. Oft bringen schon kleine Impulse von außen neue Ideen, oder ein Sparringspartner hilft beim Interpretieren der Zahlen. Wichtig ist, dass Sie und Ihr Team hinter der Strategie stehen und den Willen haben, Dinge zu verändern. Dann zahlt sich die Mühe aus.

Raus aus der Komfortzone, rein in die Preis-Professionalität!

Eine strategische Preisarchitektur zu etablieren, mag im ersten Moment komplex wirken – doch die Ergebnisse sprechen für sich. Hotels, die Preise aktiv managen, schlagen regelmäßig ihre Mitbewerber bei Auslastung und Erlös. Die aktuelle Marktsituation verlangt praktisch danach, Pricing zur Chefsache zu machen. Sie haben es in der Hand, durch kluge Ratenlogik und flexible Steuerung den Erfolg Ihres Hauses zu pushen.

Fangen Sie am besten noch heute damit an, Ihre eigene Preisarchitektur auf den Prüfstand zu stellen. Die vorgestellten Stellschrauben – von BAR-Leitplanken über MLOS bis Dynamic Pricing – liefern Ihnen einen Werkzeugkasten, um Umsatz und Auslastung in Einklang zu bringen. Wichtig ist, einfach den ersten Schritt zu tun und dranzubleiben. Wie sagte Christian Lüdeking so schön: Stillstand ist nichts für uns Hoteliers! In diesem Sinne: Probieren Sie es aus, testen Sie neue Preise, seien Sie mutig und lernen Sie aus den Ergebnissen. Ihre Gäste werden es Ihnen danken, weil sie Angebote vorfinden, die genau zu ihren Bedürfnissen passen. Und Ihr Hotel wird es in Form verbesserter Kennzahlen danken.

Sie möchten tiefer ins Thema einsteigen oder benötigen Unterstützung, um die ideale Preisstrategie für Ihr Haus zu entwickeln? Sprechen Sie mich gern an – gemeinsam schaffen wir die Basis für nachhaltig mehr Umsatz und Erfolg.

 

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